Studium
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Hier erst mal einige Leseproben von meinem Fernstudium zum Sachbuchautor:

 

Aufgabe 1:

Warum ich schreiben lernen will

 „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“

        (Gustav Heinemann, Bundespräsident 1969-74)

Nach Jahren der Quälerei war es soweit. Ich hielt mein Diplom zum Betriebswirt endlich in den Händen. Nach einer wahren Ausbildungsodyssee von über 15 Jahren hatte ich es doch noch geschafft.

Begonnen hatte es damit, dass ich mit 17 Jahren einen mäßigen Abschluss der Realschule vorweisen konnte. Mit Ruhm hatte ich mich in meiner Schulzeit wirklich nicht bekleckert. Das Fußballspielen in den Pausen war mir wichtiger, als für eine ungewisse Zukunft zu lernen. Es war gerade die Phase der sogenannten "Null Bock" Generation. Als ich die Schule verließ, hatte ich noch keine Lehrstelle in Aussicht und wusste noch nicht einmal genau, was ich werden wollte. Und ehrlich gesagt, war es mir damals auch ganz egal, da ich davon überzeugt war, es würde sich schon etwas ergeben.

Erschwerend kam hinzu, dass 1983 eine extreme Lehrstellenknappheit herrschte. Was sollte also einmal aus mir werden? Mit meinen schlechten Schulnoten und der nicht vorhandenen Motivation hatte ich es meinem Vater zu verdanken, dem eines Tages der Geduldsfaden riss und der mich durch Köln von einer Konditorei zu anderen schleppte. Es grenzte damals an ein Wunder, daß ich bei einem der renomiertesten Cafés doch noch in buchstäblich letzter Sekunde überraschend eine Lehrstelle bekam. Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, wurde mir schnell klar. Ich biß jedoch die Zähne zusammen und machte meinen Abschluss mit 1,8. Ich hatte durch die Berufsschule auch wieder den Spaß am Lernen entdeckt und konnte mich schon ein gutes Jahr nach meiner Bundeswehrzeit als Fachabiturient feiern.

Da ich nicht sofort einen Studienplatz in meinem Wunschfach Oecotrophologie erhielt, nahm ich das Angebot einer Lebensmittelfilialkette an und wurde Leiter eines Supermarktes. Neben der anstrengen Zeit absolvierte ich noch ein Fernstudium zum Betriebswirt. Dies war jedoch nicht meine letzte Station. Ich entschied mich noch zu einer Umschulung zum Industriekaufmann, die ich auch erfolgreich mit einer IHK Prüfung beendete. Direkt im Anschluss daran entschloss ich mich, noch Betriebswirtschaft zu studieren und konnte mit 32 Jahren und acht Semestern mein Diplom in Empfang nehmen.

 Endlich ausruhen, entspannen, das war mein Bestreben, denn einen guten Beruf hatte ich glücklicherweise schnell gefunden.

Allerdings ließ mich meine Unruhe nicht in Ruhe. Anstatt mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen und in den Tag hinein zu leben und dem Fernsehen zu frönen, wie viele meiner Kollegen es praktizieren, trieb mich eine geheimnisvolle Kraft immer vorwärts. Angestrengt dachte ich darüber nach, welche neue Herausforderung ich annehmen könnte.

Zunächst fiel meine Wahl auf eine berufliche Fortentwicklung in Form eines kombinierten Fern- und Wochenendstudiums als Facilitymanager BA, weil ich in meinem jetzigen Beruf diese Funktion ausübe. Besetzungstechnische Erfordernisse lassen jedoch einen späteren Einstieg erfolgversprechender erscheinen.

Was also tun? Irgendetwas Sinnvolles sollte es sein. Was mich persönlich voran bringt. Etwas Neues, meinen Neigungen entsprechendes.

Schon lange schwirrten mir zwei Buchprojekte wie schillernde Schmeißfliegen im Kopf  herum. Weiterhin schreibe ich ab und zu kleine Artikel in unseren Clubzeitschriften und halte hier und da Vorträge über populärwissenschaftliche Themen in diversen Vereinen. Was lag also näher, mich in diesem Bereich fortzubilden!

Dass Schreiben nicht so einfach ist, wie ich mir das vorgestellt hatte, wurde mir ziemlich schnell klar. Vor Jahren unternahm ich den Versuch, eine Geschichte zu verfassen. Als ein Meister im Zusammenfassen war das Ende der Geschichte schnell gekommen und damit auch mein erster Versuch, etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen, gescheitert. Es fehlte mir auch die Geduld, die Geschichte auszugestalten und sie nicht nur auf das trockene Wesentliche zu reduzieren.

Somit verlegte ich mich erst einmal auf das Lesen von Büchern. Im Laufe der Zeit interessierte ich mich zunehmend für populär-wissenschaftliche Sachliteratur. In diesem Bereich würde ich gerne tätig werden. Doch schon beim Verfassen kleinerer und mittlerer Artikel für Vereinszeitschriften bemerkte ich meine schreibtechnischen Defizite. Hier muss Abhilfe geschaffen werden! Da ich positive Erfahrungen mit meinem Fernstudium zum Betriebswirt gemacht hatte, reifte in mir die Idee, auch das Schreiben über diesen Weg zu erlernen. Nach einer Überlegungszeit von fast einem Jahr liegt jetzt hiermit meine erste Aufgabe vor. Ich erhoffe mir, das Erlernte bald umzusetzen und vielleicht sogar meine Buchprojekte eines Tages zu realisieren.

 

Aufgabe 2:

Eine Story nach Tatsachen

Ein persönliches Erlebnis während einer Fahrt mit der Bahn.

(Spanien/Frankreich 1981)

 Heimreise

 „La gasolina se está desperdisiando“! Wild gestikulierend zappelte der kleine Spanier um unseren Wagen und deutete mit seiner runzeligen, wettergegerbten Hand auf das Heck unseres altersschwachen VW Busses. „Gasolina, Gasolina“!

Besorgt reckten sich sieben Köpfe unter den Wagen. Und tatsächlich! In  dünnem, aber stetigen Strahl ergoss sich Benzin auf den Bahnhofsvorplatz von Barcelona. „Auch das noch“, meinte Tante Renate, und zündete sich erst mal eine Zigarette an. Da standen wir nun. Samstag Mittag im dicksten Verkehrsgewühl. Unser Bus vergoss innerhalb von Minuten fast den gesamten Tankinhalt in die Kanalisation. 

Nach schönem, dreiwöchigen Urlaub in Moreira an der Costa del Sol traten wir Samstag früh die Heimreise an. Währen der Fahrt kam meiner Mutter die Idee, die bereits gekauften Tickets für den Liegewagen ab Barcelona zurückzugeben und erst an der spanisch - französischen Grenze zuzusteigen. Das somit zurück gewonnene Geld sollte die arg geplünderte Haushaltskasse etwas entlasten. Geplant war, dass -wie auf der Hinreise- mein Vater und mein Onkel im VW-Bus mit dem Gepäck voraus fuhren und meine Mutter, Tante, Cousine, Schwester, Bruder und ich im Liegewagen die Heimreise antreten sollten.

Von Moreira bis Barcelona hatte wir schon einige hundert Kilometer auf unzähligen Gepäckstücken verbracht. Der Bus hatte nur drei Sitzplätze und wir waren immerhin zu acht unterwegs. In Barcelona angekommen, tauschte meine Mutter im Bahnhof die Tickets gegen das ersehnte Bare und war bei ihrer Rückkehr ganz erstaunt um den Rummel, der um unseren VW Bus gemacht wurde. Nachdem auch sie die Lage begriffen hatte, war unser Zug, der einzige, der an diesem Tag nach Deutschland fuhr, abgefahren. Jetzt saßen wir mit acht Mann, viel Gepäck und einem defekten Auto Samstags mitten in einer spanischen Großstadt fest. Wir mussten den Zug in Frankreich am späten Nachmittag unbedingt erreichen, denn mein Vater und mein Onkel mussten am Montag zur Arbeit und meine Cousine, mein Bruder und ich zur Schule. 

Zu unserem unfassbaren Glück gab es zwei Straßen weiter eine VW Werkstatt, die am Samstag auch noch geöffnet hatte und wohin wir es mit dem Rest Sprit auch noch gerade schafften. Dort stellte man fest, dass eine Stellschraube der Benzinleitung gebrochen war.

„Noes problemá “, meinte der quirlige Besitzer und hatte in Minutenschnelle alles zerpflückt, was reparaturtechnisch im Wege war.

Zu unserem Pech war natürlich ausgerechnet diese Schraube als Ersatzteil nicht vorhanden oder in dem Chaos nicht auffindbar.

Ein erneutes „noes problemá“ kam aus den dämmerigen Winkeln der schmuddeligen Werkstatt. Und flugs wurde eine andere Schraube so lange gefeilt und geschliffen, bis sie passte. Einige hundert Peseten wechselten den Besitzer, und mit einem freundlichen „noes Problemá, adios“ wurden wir nach zwei Stunden verabschiedet.

Das waren natürlich zwei Stunden, die uns fehlten, um in Ruhe den Zug in Frankreich zu erreichen. Also schnell vollgetankt und die 50 munteren Pferdchen galoppieren lassen. Es lief auch ganz gut, bis wir die Pyrinäen erreichten.

Verbissen, mit zusammengekniffenen Lippen, malträtierte Onkel Bubu das Getriebe und trat abwechselnd Gas, Kupplung und Bremse durch das Bodenblech.

Durch die vielen Serpentinen schwindelig, musste sich meine kleine Schwester Katrin kurzerhand auf den weißen Jogginganzug meines Vaters übergeben. Zum Glück hatte sie nur Schokolade gegessen. Wir anderen fünf flogen auf den Gepäckstücken hin und her, wie Jetpiloten im Flugsimulator.

 An der Grenze ließ man uns erstaunlicher weise problemlos passieren, was sicherlich auf die gereizte Stimmung zurückzuführen war, die im Bus herrschte und die wohl weit durch das Blech hinaus strahlte.

 Jetzt ging es die nicht enden wollenden Serpentinen wieder bergab und wir erreichten den Bahnhof in Frankreich etwa drei Minuten, bevor der Zug abfuhr. Wir flogen mit acht Mann über den Bahnsteig, wobei meine Schwester waagerecht in der Luft hing, wie eine Fahne im Herbststurm. Hektisch verluden wir das nötigste Gepäck und uns sechs. Im selben Moment fuhr der Zug auch schon ab, woraufhin meine Mutter erst einmal Durchfall bekam, der sie die nächste Zeit nicht zur Ruhe kommen lies. Während wir die Nacht in dem stickigen und durch vier Kinder unruhigen Liegewagen verbrachten, den wir mit einem mitreisenden Herrn älteren Semesters teilen mussten, übernachteten mein Vater und Onkel Bubu in einem Hotel direkt neben einem Güterbahnhof. Laut ihrer Aussagen muss ein Gleis direkt durch ihr Zimmer geführt haben.

Am nächsten Morgen hatte es der Zug immer noch nicht aus Frankreich heraus geschafft. Wir liefen auf einem Bahnhof ein, und ganz allmählich erwachten die Abteile zum Leben. Da der Durchfall meiner Mutter trotz intensiver Medikation noch nicht behoben war, suchte sie fieberhaft und mit steigendem Druck ein freies WC. Natürlich waren am frühen Morgen alle besetzt, so dass sie unter unsäglichen Krämpfen fast zu spät den letzten Wagon und die Toilette erreichte.

Sie riss sich die noch aus Studentenzeiten verbliebene Hose herunter und explosionsartig knallte es durch die Kabine und verlieh dem WC einen neuen, hübschen braunen Anstrich. Während meine Mutter mühsam versuchte, alle Spuren dieser Schweinerei zu beseitigen, merkte sie nicht, dass der Wagon abgekoppelt wurde. Und so betrat sie überrascht, fast unbekleidet, einen wildfremden französischen Bahnhof, konnte jedoch in letzter Sekunde auf den anfahrenden Zug aufspringen.  

So erreichten wir alle gemeinsam die Heimat.

Diese Heimreise sollte uns lange in Erinnerung bleiben und unzählige Male an Kaffeetafeln für Erheiterung sorgen. 

 

Bald mehr...vielleicht auch mit Bildern?!

(Stand: 24.03.2001)